Leitlinie zum Reizdarm: Grundlagen und Verbreitung

Leitlinie zum Reizdarm: Grundlagen und Verbreitung

Disclaimer:

Dieser Beitrag basiert auf der "S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom" von Layer et al., 2021, und zielt darauf ab, die Fachinformationen verständlicher zu machen. Ich beanspruche keine Urheberschaft der Originalinhalte und verweise für detaillierte Informationen auf die Originalleitlinie. Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

 

Definition

Das Reizdarmsyndrom, kurz RDS, ist eine Erkrankung, die diagnostiziert wird, wenn drei spezifische Kriterien erfüllt sind:

  1. Chronische oder wiederkehrende Darmbeschwerden, wie Bauchschmerzen oder Blähungen, die länger als drei Monate anhalten und typischerweise mit Veränderungen des Stuhlgangs einhergehen.
  2. Die Symptome sind so gravierend, dass sie die Lebensqualität beeinträchtigen und Betroffene medizinische Hilfe suchen.
  3. Die Symptome können nicht durch andere bekannte Krankheiten erklärt werden.

Verlauf und Prognose

Langfristige Beobachtungen zeigen, dass nach sieben Jahren noch 55 % der Betroffenen unter Symptomen leiden, während 13 % symptomfrei sind und 21 % eine Verbesserung ihrer Beschwerden erfahren. Die Wahrscheinlichkeit einer Besserung nimmt mit der Dauer der Erkrankung ab, insbesondere bei anhaltendem Stress. RDS beeinflusst nicht die allgemeine Lebenserwartung, erhöht aber das Risiko für bestimmte chirurgische Eingriffe. Psychische Faktoren wie Stress und Schlafprobleme haben einen bedeutenden Einfluss auf den Verlauf der Krankheit, vor allem bei Personen, die ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Häufigkeit von RDS

Die Häufigkeit des Reizdarmsyndroms variiert weltweit und wird auf etwa 11,2 % geschätzt, mit Schwankungen je nach Region und Lebensstil. Die Diagnoserate hängt stark von den angewendeten Kriterien ab und reicht von 2,5 % bis 37 %. Eine genetische Prädisposition spielt ebenfalls eine Rolle, da Verwandte von Betroffenen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko haben.

Die Verbreitung der drei Haupttypen von RDS – durchfall-, verstopfungsdominant und eine Mischform – ist gleich verteilt, wobei jeder Typ etwa ein Drittel der Fälle ausmacht. Jährlich wird weltweit bei 1,35 bis 1,5 % der Menschen RDS diagnostiziert, in Deutschland liegt die jährliche Neuerkrankungsrate bei etwa 0,34 %.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Frauen sind häufiger von RDS betroffen als Männer, besonders im Alter von 20 bis 40 Jahren. Dieser Unterschied wird im höheren Alter weniger ausgeprägt, bleibt jedoch bei Personen unter 50 Jahren signifikant. Interessanterweise leiden Menschen mit höherem Einkommen seltener an RDS.

Einfluss auf die Lebensqualität

Forschungen zeigen konsistent, dass die Lebensqualität von RDS-Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich niedriger ist. Diese Studien konzentrieren sich häufig auf Personen, die aktiv medizinische Hilfe suchen, wodurch diejenigen, die keine Hilfe in Anspruch nehmen, oft unberücksichtigt bleiben. Die Lebensqualität wird nicht nur durch physische Symptome wie Schmerzen und Blähungen beeinträchtigt, sondern auch durch psychosoziale Faktoren wie Angst und Depression.

Vergleich mit anderen Erkrankungen

RDS-Patienten erfahren in vielen Bereichen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität stärkere Beeinträchtigungen als Personen mit anderen schweren Erkrankungen, einschließlich Herzinsuffizienz und Diabetes Typ 2. Im Vergleich zu Personen mit Depressionen weisen RDS-Patienten eine bessere psychische Gesundheit auf, obwohl psychische Störungen bei RDS eine bedeutende Rolle spielen. Im Vergleich zu Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz zeigen RDS-Betroffene eine geringere Lebensqualität.

Kosten 

Das Reizdarmsyndrom führt zu hohen Kosten, sowohl direkt durch Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte als auch indirekt durch Arbeitsausfall und geringere Arbeitsleistung.

Psychische Belastungen

Viele Menschen mit Reizdarmsyndrom (RDS) haben auch andere gesundheitliche Probleme, darunter eine besondere Art von Stressreaktion, bekannt als "Somatische Belastungsstörung", sowie Verbindungen zu Reizmagen, chronischer Müdigkeit und Fibromyalgie. Außerdem leiden 20 bis 70 % der RDS-Betroffenen unter Depressionen, 20 bis 50 % unter Angstzuständen und etwa 30 % haben Panikattacken. Menschen mit Panikattacken oder Depressionen haben ein erhöhtes Risiko, RDS zu entwickeln. Zudem gibt es eine Verbindung zwischen RDS und den Folgen von traumatischen Erlebnissen sowie Essstörungen, wobei bis zu zwei Drittel der Betroffenen mit Essstörungen auch RDS-Kriterien erfüllen.

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