Chronische Diarrhöe bei organischen Krankheiten

Chronische Diarrhöe bei organischen Krankheiten

Chronische Diarrhöe bei einem kolorektalen Karzinom

Bei kliniklab verwenden wir einen iFOB-Test zum Nachweise von Blutspuren (Hämoglobin) im Stuhl, da dieser in den Screening-Richtlinien der Europäischen Kommission zur Früherkennung des kolorektalen Karzinom (KRK) empfohlen wird. Seit 2017 ist der Test Bestandteil des gesetzlichen Krebsfrüh­erkennungsprogramms in Deutschland.

Das KRK ist die zweithäufigste Todesursache durch Krebskrankheiten. Ihre Inzidenzen steigen dabei immer weiter an – besonders in Ländern mit einem hohen Konsum von gesättigten Fettsäuren und/oder häufigem Rauchen. Aus diesem Grund wurde das KRK und seine Vorstufen das Krankheitsziel zahlreicher Studien, welche die klinische Signifikanz des iFOBT durch Koloskopie untersuchten. Diese Studien kamen zu einem wichtigen Ergebnis: Durch negative iFOBT-Ergebnisse ggf. in Kombination mit normalem Hämoglobin-Wert (zum Ausschluss einer Blutungsanämie) konnte KRK mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.  




Im Laborprofil bestimmen wir das Hämoglobin im Stuhl und das Ferritin im Blut, um herauszufinden, ob eine begleitende Blutarmut (Blutungsanämie) vorliegt.


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Chronische entzündliche Diarrhöe


Diese Form der Diarrhöe wird definiert durch das Vorhandensein von systemischer Körperreaktion, wie Fiber, Gewichtsverlust, Gelenkschwelung und -schmerzen sowie Haut- und Augenprobleme. Häufig treten diese Beschwerden zusammen mit Blut und Eiter im Stuhl und einer erhöhten Konzentration von Entzündungsmarkern (C-reaktives Protein im Blut und Calprotectin im Stuhl) auf. Zu den häufigsten Ursachen zählen hier Magen-Darm-Infekte (Viren, Bakterien oder Parasiten), entzündliche Darmkrankheiten (wie Morbus Chron oder Colitis ulcerosa) sowie Zöliakie, mikroskopische Kolitis, Polypen oder Tumoren. Eine Koloskopie wird bei diesen Befunden dringend empfohlen.

Das fäkale Calprotectin im Stuhl (FC) eignete sich als guter Labortest bei chronischer entzündlicher Diarrhöe und wird deshalb von vielen Leitlinien als Screening-Marker empfohlen. FC wird bei entzündlichen oder neoplastischen Prozessen im Darm durch die Degranulation von Granulozyten und Monozyten freigesetzt. Fäkale-Calprotectin-Werte von > 250 μg/g korrelieren sehr gut mit endoskopischen Hinweisen auf entzündliche Prozesse im Darm. Der FC Grenzwert von 50 μg/g erlaubt deshalb bei Erwachsenen eine relativ sichere Differenzierung zwischen einem Morbus Chron und einem Reizdarmsyndrom (RDS). Das FC eignet er sich als Marker für die Differenzierung zwischen einer akuten bakteriellen und einer akuten viralen Diarrhö sowie als Verlaufsmarker zur Kontrolle der glutenfreien Diät bei Zöliakie.




FC und C-reaktives Protein sind wichtige Bestandteile unseres Laborprofils „chronische Diarrhöe“. Dadurch können wir mit große Wahrscheinlichkeit entzündliche Diarrhöe ausschließen.


Chronische organische Diarrhöe aufgrund einer Malabsorption


Bei der Malabsorption kommt es zu einer Störung der Nahrungsaufnahmen aufgrund einer insuffizienten Absorption von Nahrungsbestandteilen. In der klinischen Praxis wird die Malabsorption dabei in zwei Kategorien unterteilt: Eine Diarrhöe aufgrund einer Enteropathie (wie bei Zöliakie oder Amyloidose) sowie eine Dünndarmfehlbesiedlung (sogenannte SIBO) oder Diarrhöe aufgrund einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz.

Das gemeinsame Merkmal beider Krankheiten ist dabei die Steatorrhö. Als Steatorrhö bezeichnet man einen Durchfall, der aufgrund einer Verdauungsstörung einen überdurchschnittlich hohen Fettgehalt aufweist. Bei dieser Krankheit können die Nahrungsfette im Dünndarm nicht richtig verarbeitet werden, weshalb die Gesamtfettausscheidung den Normalwert übersteigt. Die Steatorrhö äußert sich durch das Auftreten eines voluminösen Stuhlgangs mit fettem, hellem, klebrigem und/oder übelriechendem Stuhl.



Zöliakie

Als Zöliakie bezeichnet man bei genetisch prädisponierten Personen eine übermäßige immunologische Reaktion auf das Protein “Gluten“. Die Häufigkeit liegt bei Personen zwischen 30 und 64 Jahren in Deutschland bei etwa 0,3 % – bei Patient:innen mit chronischer Diarrhö wird sie hingegen auf bis zu 10 % geschätzt. Zu den klassischen Symptomen zählen hierbei chronische Diarrhö, Steatorrhö und Gewichtsverlust. Die Mehrheit der erwachsenen Patient:innen weist allerdings atypische und moderate Symptome auf, sodass die Diagnose häufig zu spät gestellt wird. Bei diesen Personen äußert sich die Zöliakie durch Eisenmangelanämie, Osteoporose, chronisch erhöhte Leberenzyme, Leistungsminderung, Dermatitis herpetiformis, Unfruchtbarkeit oder neurologische Symptome.

 

Transglutaminase IgA-AK (TAG) sind spezifische Antikörper, die bei Verdacht auf Zöliakie als Screening-Diagnostik verwendet werden können. Ist ihre Konzentration signifikant erhöht, sollte zur weiteren Diagnostik eine Gastroskopie mit Dünndarmbiopsie erfolgen. Bei diagnostischen Unklarheiten kann eine HLA-Typisierung auf HLA-DQ2 und HLA-DQ8 (EDTA-Blut) angefordert werden. Bei gesicherter Diagnose wird eine lebenslange glutenfreie Diät eingeleitet.




Nach Einführung der glutenfreien Diät sinkt die Zahl der spezifischen Zöliakie-Antikörper zwar signifikant, korreliert jedoch nicht mit den histologischen Befunden in den Kontrolluntersuchungen nach 6, 12 und 16 Monaten. Deshalb werden Antikörperbestimmungen zur Kontrolle der glutenfreien Diät nicht empfohlen. Denn trotz glutenfreier Diät für 6 bis 12 Monate hatten bis zu 30 % der Zöliakie-Patient:innen persistierende Symptome. Häufigste Ursache für das Nichtansprechen war eine versehentliche Einnahme von Gluten (bis 50 %) oder zusätzliche Diagnosen wie eine entzündliche Darmkrankheit, mikroskopische Kolitis, Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO), Unverträglichkeiten gegen Laktose oder Fruktose und das Reizdarmsyndrom (RDS). Daher sollte bei schlechtem Ansprechen auf die Diät-Therapie auch an andere Ursachen, wie eine funktionelle Magen-Darm-Krankheit, gedacht werden



Bei dem Laborprofil „chronische Diarrhöe“ haben wir die TAG Bestimmung hinzugefügt. Testen Sie sich mit TAG auf Zöliakie als mögliche Ursache der chronischen Diarrhöe.


Bakterielle Fehlbesiedlung des Darms
(SIBO oder IMO)

Nähere Informationen über SIBO oder IMO finden Sie auf der SIBO-Atemtest Hauptseite.


Um SIBO oder IMO zu diagnostizieren, verwenden wir in dem Profil „chronische Diarrhöe“ ebenfalls einen SIBO-Atemtest. Damit messen wir in mehreren Atemluftproben den Wasserstoff- und Methan-Anteil nach der Gabe einer Testsubstanz.


Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

Klinische Symptome der EPI können erst auftreten, wenn die exokrine Pankreasfunktion weniger als 10 % des Normalwerts beträgt. Diese Fettabsorptionsstörung ist die Folge einer chronischen EPI. Sie äußert sich durch unspezifische gastrointestinale Symptome, wie exzessive Flatulenz (Bauchblähungen, Bauchkrämpfe, Aufstoßen), Steatorrhö (großvolumige, fettige, übelriechende und meist breiige Stuhlgänge) oder wässrige Diarrhö. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich außerdem die Nährstoffaufnahme (u. a. Lipoproteine, Albumin, Mikroelemente, fettlösliche Vitamine), was zu folgende Beschwerden führen kann: Gewichtsverlust, Osteoporose, Muskelkrämpfe, beeinträchtigte Nachtsicht, Immunschwäche, Gerinnungsstörungen, neurologische Störungen, erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.




Die Ermittlung der pankreatischen Elastase (PE) im Stuhl ist nicht invasiv und der am häufigsten verwendete Pankreasfunktionstest. Es handelt sich hierbei um den Goldstandard zum Nachweis einer Pankreasinsuffizienz, weshalb er in vielen Richtlinien für chronischen Durchfall empfohlen wird. Die PE-Bestimmung spiegelt die Pankreasenzymexkretion wider und korreliert mit der Exkretion anderer Pankreasenzyme, wie Lipase, Amylase und Trypsin. FEL-Werte von < 100 g/g Stuhl sprechen hierbei für eine schwere EPI. Zur EPI-Bestätigung werden spezielle Bildgebungsverfahren des Pankreas (Computer Tomographie oder MRT) angeordnet.  

Die spezifische Behandlung der EPI umfasst in erster Linie die Pankreasenzym-Substitution. Ihre Therapie kann erforderlich sein bei Patient:innen mit erhöhter Fettausscheidung, Symptomen der Steatorrhö mit Gewichtsverlust und wenn die anderen Differenzialdiagnosen bei Steatorrhö ausgeschlossen wurden. Eine Behandlung kann die Fettabsorption wieder normalisieren, die EPI-Symptome lindern und Lebensqualität der Patient:innen verbessern.

 


Die PE-Bestimmung ist als Routine-Screeningtest dem Profil „chronische Diarrhöe“ enthalten.


Giardiasis

Die Giardiasis ist die weltweit häufigste Parasiten-Infektion. Sie betrifft ca. 2 % der Erwachsenen und ca. 8 % der Kinder in Industrieländern sowie ca. 33 % der Bevölkerung in Entwicklungsländern. Die Giardiasis wird durch eine Giardia duodenalis (bekannt auch als Giardia lamblia und Giardia intestinalis) verursacht. Giardia duodenalis (GD) wird am häufigsten durch die Aufnahme von mit Zysten kontaminiertem Wasser oder Essen sowie durch den direkten Kontakt zur infizierten Person verbreitet. Zu den Risikogruppen zählen in den westlichen Ländern Auslandsreisende, Reisende in die Wildnis, Tagesbetreuer und Berufstätige, die viel Kontakt zu Menschen haben.

Die Giardiasis kann sich innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen nach der Infektion durch unspezifische Symptome äußern, wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Bauchblähungen und Durchfall mit wässrigem/ übelriechendem/fettigem Stuhl oder in seltenen Fällen auch durch Fieber, Hautläsionen und Gelenkschmerzen. Die Symptome klingen normalerweise nach etwa vier Wochen ab.




Es kann jedoch auch zu einer chronischen Infektion kommen, welche sich in einer chronischen Diarrhö sowie einer Malabsorption mit Gewichtsverlust manifestiert. Diese chronische Infektion äußert sich häufig ebenfalls in Augenkrankheiten, chronischer Arthritis, Hautallergien, verminderter kognitiver Funktionen und chronischer Müdigkeit.

Eine Arbeitsgruppe untersuchte die Spätfolgen der Giardia-Infektion nach einer Epidemie in Norwegen. In einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren zeigte sich hierbei ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Infektion und einer anschließenden Nahrungsmittelintoleranz. Die Patient:innen berichteten von einem subjektiven Gefühl fettreiche Lebensmittel, Gemüse, Obst, Getreide, Alkohol und vor allem Milchprodukten nicht mehr zu vertragen. Nach der Giardia-Infektion lag die Häufigkeit des Reizdarmsyndroms (RDS) bei den Patient:innen bei 47,9 % – bei der Kontrollgruppe lediglich bei 14,3 %. Im Verlauf der nächsten zehn Jahre berichteten diese Patient:innen im Vergleich zur Kontrollgruppe über chronische Müdigkeit sowie eine niedrigere Lebensqualität aufgrund des RDS.Kein Titel (1080 × 1080 px) (3).png__PID:cce18883-eed4-47dd-ab5a-d57d035ef4b0


Testen Sie sich auf Giardiasis, um dem Ursprung der chronischen Diarrhöe auf den Grund zu gehen.


Gallensäuremalabsorption (GSM)

GSM ist eine häufige Ursache der chronischen Diarrhö. Sie entwickelt sich bei einer gestörten Resorption von Gallensäuren (GS) im Dünndarm. Die Gallensäure erreicht hier den Dickdarm unverändert und wird dort von den Darmbakterien metabolisiert. Die metabolischen Produkte der bakteriellen GS-Verarbeitung stimulieren in diesem Zusammenhang die Flüssigkeitsretention sowie -sekretion und Darmmotilität. Eine Gallensäuremalabsorption äußert sich durch wässrige und unregelmäßige Stuhlgänge, gegebenenfalls auch nächtliche Diarrhö und imperativen Stuhldrang mit drohender Inkontinenz. Abdominalschmerzen und Bauchblähungen können ebenfalls vorkommen, werden von den Patient:innen jedoch nicht als belastende Beschwerden angegeben. Die Symptomatik ist dabei vom Fettgehalt der Nahrung abhängig und nicht von ihrem Kohlenhydratgehalt.




Gallensäure wird in der Leber synthetisiert und während der Mahlzeiten im Dünndarm freigesetzt. Ungefähr 95 % der ungebundenen GS werden im Dünndarm rückresorbiert und wandern dann zur Wiederverwendung in die Leber zurück. Zu den derzeitigen Nachweismethoden zählen hierbei (in abnehmender Genauigkeit): Selenium-Homotaurocholsäure-Retentionstest (75Se-HCAT, Referenzmethode, Szintigraphie); Bestimmung von 7-α-Hydroxy-4-cholesten-3-on (C4, Massenspektrometrie); Bestimmung von FGF19 (ELISA); Bestimmung der GS-Gesamtausscheidung in 48-stündiger Stuhlsammelprobe. Die C4-Bestimmung wurde außerdem als ein alternativer, nicht radioaktiver Screening-Test diskutiert, da ein negativer C4-Wert mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit GMS ausschließen kann. Falls ein sicherer Labortest nicht möglich ist, kann ebenfalls eine spezifische Therapie zu diagnostischem Zwecke bei Patient:innen mit chronischer Diarrhö und einem klinischen Verdacht auf GSM angeordnet werden.




Bei kliniklab berücksichtigen wir die Gallensäuremalabsorption (GSM) in unserem Anamnese-Fragebogen. Falls bei Ihnen ein Verdacht besteht, empfehlen wir anschließend eine Probetherapie.



Kohlenhydrat-Intoleranz als häufige Ursache einer chronischen Diarrhöe

Bei kliniklab verwenden wir zur Diagnostik und Indikation einer Diät-Therapie Kohlenhydrat-Atemtests mit Laktose, Fruktose und Sorbit. Jeder unserer Befundbericht beinhaltet eine Therapieoption für Ihren individuellen Diätplan.

 



Chronischer Diarrhöe bei Diabetes Melitas (DM)

 Eine chronische Diarrhö kann bei Patient:innen mit einer langjährigen DM-Anamnese auftreten. Dies geschieht meist nach etwa acht Jahren, wobei Männer mit einem Verhältnis von 3:2 gegenüber Frauen häufiger davon betroffen sind. Patient:innen berichteten dabei über eine wiederkehrende Diarrhö mit wässrigen und voluminösen Stuhlgängen. Aufgrund der akuten Zuckerwerterhöhung kommt es besonders nachts bei den Betroffenen oftmals zu einer Stuhlinkontinenz. Weitere gängige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen und ein frühes Sättigungsgefühl.

Eine Darmmotilitätsstörung durch eine autonome Neuropathie kann zur Entstehung der Dünndarmfehlbesiedlung (sogenannte SIBO) beitragen. Die SIBO-Häufigkeit liegt bei 43 % der Patient:innen mit DM vom Typ-2 und mit chronischer Diarrhö. Diese Patient:innen hatten eine deutlich höhere Stuhlfrequenz und signifikant häufiger gastrointestinale Symptome als Patient:innen mit DM ohne SIBO. Patient:innen mit SIBO hatten ebenfalls einen signifikant höheren täglichen Insulinbedarf als die Patient:innen ohne SIBO. Bei DM-Patient:innen mit einer höheren Methan-Konzentration im Atemtest wurde zudem eine deutlich höhere HbA1c-Konzentration nachgewiesen. Nach der Antibiotikatherapie reduzierte sich bei 63 % der Patient:innen die Methan-Produktion und HbA1c-Konzentration signifikant.




Wir verwenden HbA1c, um Diabetes Melitas als mögliche Ursache chronischer Diarrhöe auszuschließen.

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